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vom 19.2.2024
 
Land-unter-Radweg: Stadt mit Hochdruck an Problemlösung
Verbindung zwischen Weitenung und Leiberstung wird an neuralgischem Punkt höher gelegt / Mehrere Radfahrer weisen auf Mangel hin
Von Jörg Seiler
 
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Unter Wasser stand in den vergangenen Monaten immer wieder ein Abschnitt des neuen Radwegs von Weitenung nach Leiberstung. Foto: privat
 
Bühl/Sinzheim. Der neue Radweg zwischen Bühl-Weitenung und dem Sinzheimer Ortsteil Leiberstung steht weiter in der Kritik der Nutzer. War es erst die aus Sicht der Fahrradfahrer problematisch erscheinende Verkehrs-Situation an der privaten Zufahrt zu einem Kieswerk und der Einmündung eines Waldwegs, ist es nun eine Wasserdurchfahrt, die die Pedaleure ziemlich nervt.
 
„Land unter“ heißt es, wenige Meter nach der Einfahrt zum Kieswerk in Fahrtrichtung Leiberstung. Michael Velten, Grünen-Kommunalpolitiker im Stadtkreis Baden-Baden und aktiv im Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC), hat die zuständigen Behörden „schon vor Monaten schriftlich auf diesen erheblichen Mangel hingewiesen“
.
Sein Frust ist groß. „Ohne Not hat man den Weg genau an dieser Stelle abgesenkt, anstatt ihn mit zwei bis drei Lastwagenladungen Unterbau um etwa 15 bis 20 Zentimeter zu erhöhen“, wendet sich Velten auch an die Redaktion. Und er steht mit seiner Verärgerung nicht allein. Jürgen Brügel aus Bühlertal ist die Stelle ebenfalls negativ aufgefallen.
 
Federführend bei Planung und Ausschreibung sowie verantwortlich beim Bau war beziehungsweise ist die Stadt Bühl. Das geht aus einer Pressemitteilung zur Radweg-Eröffnung von Mai 2023 hervor. Dieser zufolge trafen Landkreis Rastatt, Gemeinde Sinzheim und die Stadt Bühl eine Vereinbarung, dass die Zwetschgenstadt das Heft in die Hand nimmt. Und so liegt es nun an der Verwaltung im Bühler Rathaus, den betroffenen Radweg-Abschnitt so zu modifizieren, dass er nicht mehr unter Wasser stehen kann. „Wir sind dran, und zwar mit Hochdruck“, sagt Wolfgang Schuchter auf Anfrage dieser Redaktion. Einen Zeithorizont nennt der Leiter der Tiefbauabteilung der Bühler Stadtverwaltung ebenfalls. Noch im Jahr 2024 soll das Problem behoben sein. Denn die Wasserdurchfahrt hatte im Winter noch eine Tücke, die Michael Velten beschreibt. Gefahr durch Glatteis.
 
Bei Minustemperaturen gefriert das Wasser, und das führte in den vergangenen Wochen denn auch prompt zu einer Sperrung. Dieser Mangel ist für den „genervten Fahrradfahrer“ Velten noch „weit gravierender, als das ebenfalls missglückte Straßenbegleitgrün entlang des Weges, um nach dem Aufwuchs der Pflanzen gegen die Blendung durch den Kraftfahrzeugverkehr abzuschirmen“. Wie der Bühler Tiefbauchef Schuchter verdeutlicht, war und ist es mit ein paar Ladungen Kies oder Schotter auf diesem rund 40 Meter messenden Radweg-Abschnitt nicht getan. Denn just an dieser Stelle befindet sich ein Feuchtbiotop. Wenn es viel regne, fülle sich das Gelände und das Wasser fließe über den Weg. Land unter also.
 
Das ist die Problemstellung. Nun ist es so, dass bei derartigen Baumaßnahmen der Naturschutz eingebunden wird. Dessen Prämisse sei klar: Die Beeinträchtigung des Biotops muss so gering wie möglich sein, verdeutlicht Schuchter. Da habe es mehrere Gespräche und Verhandlungen gegeben. Ein Ergebnis: Ein Damm für den Radweg scheidet an dieser Stelle aus. Dafür müsse der Unterbau entsprechend breit sein, sagt der Tiefbauchef der Bühler Stadtverwaltung, das aber greife zu stark in die sensible Ökofläche ein. Drainagen sind aus Gründen des Biotopschutzes auch keine Lösung. Das Wasser soll an dieser Stelle, da es sich um ein Feuchtbiotop handelt, möglichst gehalten werden. Jetzt zeichnet sich aber die Lösung des Problems ab.
 
Die Pfützenbildung sei „sehr unerfreulich“, war aber im Vorfeld so nicht unbedingt abzusehen, konstatiert Schuchter. Deshalb soll die Radweg-Trasse nun angehoben werden. Laut Tiefbauamt handelt es sich um etwa 35 Zentimeter. Danach soll es dann weder Wasserdurchfahrten noch Eispritschen geben. Der Naturschutz mache bei diesem Plan mit. Der Radweg entlang der Kreisstraße 3736 zwischen Weitenung und Leiberstung war ein langgehegter Wunsch der Bevölkerung. 1,8 Kilometer misst er, und Landrat Christian Dusch (CDU) bezeichnete die Verbindung bei der Eröffnung Ende Mai 2023 laut einer Pressemitteilung der Stadt Bühl als „wichtigen Baustein im Radwegenetz des Landkreises Rastatt“. 2,40 Meter ist der Radweg breit. Ein Sicherheitsstreifen von 1,75 Metern Breite grenzt ihn von der Kreisstraße ab. Da die Trasse Schutzgebiete wie das Biotop „Feldhecken beim Weitenunger Sportplatz“, das FFH-Gebiet „Bruch bei Bühl und Baden-Baden“ sowie das Biotop „Feuchtwald im Bruchwald“ berührt, hatte der Naturschutz ein Wort mitzureden, teilte die städtische Pressestelle damals mit.